Von der Camera obscura zum Lichtbild

Der Vorläufer: die Camera obscura

Die Camera obscura (lateinisch: Dunkle Kammer) war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem Loch in der Wand. Das darin einfallende Licht projizierte bei ausreichend kleinem Lochdurchmesser auf die gegenüberliegende Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Außenwelt. Dieses Prinzip erkannte bereits Aristoteles (384–332 v. Chr.) im 4. Jahrhundert v. Chr. Letztlich war aber der Erfinder und Maler Leonardo da Vinci (1452–1519) der Erste, der die Funktionsweise der Camera obscura richtig deutete. Die ursprüngliche Camera obscura wurde im 17. Jahrhundert zu einem transportablen Kasten weiterentwickelt.

Leonardo da Vinici

Leonardo da Vinci

Die Chemie

Bereits dem deutschen Physiker Johann Heinrich Schulze (1687–1744) war die Färbung chemischer Substanzen durch Sonnenlicht bekannt. Er vermischte dabei im Jahre 1725 Kreide mit einer Silberlösung und bemerkte mit der Salpetersäure die lichteinwirkende Veränderung. Der aus Stralsund stammende Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) experimentierte mit Silbersalzen, bei denen er entdeckte, dass die Schwärzung durch metallisches Silber verursacht wurde.Die ersten nachweisbaren Experimente zum Fixieren des fotografischen Bildes stammen aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts von Claude Niépce und Joseph Nicéphore Niépce (um 1798) und Thomas Wedgwood (1799).

Johann Heinrich Schulze

 Johann Heinrich Schulze

 

Die erste Fotografie

Ab etwa 1815 begann der wohlhabende Advokat Joseph Nicéphore Nièpce sich mit der Lithografie zu beschäftigen. Er versuchte ab 1816, mit der Camera Obscura Papierbilder herzustellen. 1822 gelang ihm erstmals das Anfertigen einer lichtbeständigen Kupferstichkopie auf einer Glasplatte, 1824 auf einer beschichteten Zinkplatte.
Das älteste erhaltene Bild, Heliografie genannt, stammt aus dem Frühherbst 1826. Es erforderte eine Belichtungszeit von acht Stunden. Es zeigt den Blick aus dem Arbeitszimmer im Teil des Niépce-Landsitzes von Le Gras. Das Bild gehört heute zur Gernsheim-Sammlung der Universität in Austin, Texas.

erstes foto

J. N. Niepce: Blick aus dem Arbeitszimmer 1826. Die älteste erhaltene Fotografie, auf einer asphaltbeschichteten Zinnplatte

Im Jahr 1829 schloss sich Niépce, wohl aus Geldmangel, brieflich mit Louis Daguerre zusammen, um die Erfindung weiterzuentwickeln. Niépce starb vier Jahre später, und Daguerre entdeckte 1837 die Kochsalzlösung zum Fixieren. Er verbesserte das Verfahren noch bis 1839 weiter und Arago stellte es schließlich der Öffentlichkeit als Daguerreotypie vor. Daguerres Verfahren erforderte nur noch mehrminütige Belichtungszeiten beim Produzieren eines Unikates.
Aber noch im selben Jahr 1839 stellte die zuvor für die Produktion von Operngläsern bekannte und seit 1756 bestehende Wiener Firma Voigtländer das erste analytisch berechnete Objektiv vor, mit dem die Belichtungszeiten dramatisch gesenkt werden konnten. Seit 1834 arbeitete auch William Henry Fox Talbot an einem fotografischen Verfahren mit lichtempfindlichem Papier; er bezeichnete es als photogenische Zeichnung.
L J M Daguerre 1844
Louis Jacques Mandé Daguerre, 1844, Aufnahme von Jean-Baptiste Sabatier-Blot
1840 stellte er das erste Negativ-Verfahren vor, das er als Kalotypie (auch Talbotypie genannt) bezeichnete. Auch Talbots Verfahren benötigte noch lange Belichtungszeiten, sein Papiernegativ ließ sich jedoch beliebig oft reproduzieren. Aus jenem fiktiven Veröffentlichungsjahr der Fotografie 1839 sind diverse weitere konkurrierende fotografische Verfahren bekannt; so hatte beispielsweise Hippolyte Bayard wohl ebenfalls ein Direktpositiv-Verfahren entwickelt

Verbesserung der Verfahren

Nach 1839 arbeiteten zahllose Forscher an der Verbesserung des fotografischen Verfahrens. Es wurden weitere lichtempfindliche Silbersalze entdeckt, die Linsen für die Camera obscura wurden verbessert, erste lichtstarke Objektive wurden gebaut (Petzval - Lichtstärke 3,7 für die Voigtländer Metallkamera) und vor allem die Belichtungszeiten verkürzt.

Zu den Verbesserungen der Verfahren zählen die Verwendung von
  • albuminisierten Glasplatten (Abel Niépce de St. Victor, 1847; Albumin-Verfahren),
  • albuminisiertem Papier (Louis Désiré Blanquard-Evrard, 1850)
  • Wachspapier (Gustave Le Gray, 1850) und der
  • Kollodium-Nassplatte (Frederick Scott Archer, 1851; engl. wet plate process).
Die Belichtungszeiten konnten bereits beim Albuminverfahren auf etwa 20 Sekunden reduziert werden, was erstmals die Abbildung von lebenden Objekten ermöglichte (Visitenkartenporträts, insbesondere von André Adolphe-Eugène Disdéri ab 1854). Die Kollodium-Nassplatte verkürzte die Belichtungszeit weiter auf wenige Sekunden. Diese Verfahren hatten jedoch selbstverständlich auch noch eine Reihe von Nachteilen: Die Platten mussten vor Ort vorbereitet und sofort entwickelt werden; dies war sehr aufwändig und schränkte die Mobilität der Fotografie ein. Aufgrund des nassen Kollodiumverfahrens musste ein Reisefotograf beispielsweise immer ein Dunkelkammerzelt mit sich führen. Sie waren unterschiedlich empfindlich für die verschiedenen Anteile des Lichts und überwiegend für Blau sensibilisiert. Das heißt, die Fotografien waren nur begrenzt abbildgetreu und nicht tonwertrichtig. Die Arbeit mit großformatigen Fotoplatten verhinderten Bildfolgen und Reihenaufnahmen
 
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch diese Probleme sukzessive gelöst wie durch Louis-Alphonse Poitevin, der 1855 den Gummidruck und den Pigmentdruck erfand. Es wurden verschiedene Trockenplatten (engl. dry plates) entwickelt, die mit Tannine, Albumin oder Gelatine beschichtet waren (ab 1856), insbesondere die Gelatine-Trockenplatte (Richard Leach Maddox, 1871). Die industrielle Fertigung begann 1879. Erste Untersuchungen über ein farbfotografisches Verfahren veröffentlichte Louis Ducos du Hauron 1862. 1868 präsentierte er erste farbige Pigmentdrucke und patentierte verschiedene Farbverfahren.
Im Jahr 1869 erfand Edward Muybridge einen der ersten Verschlüsse. Dies ermöglichte einige Jahre später die ersten Reihenaufnahmen von bewegten Motiven (ders., umbenannt in Edward Muybridge, 1877). Er setzte dafür bis zu 30 Kameras ein. Étienne-Jules Marey konstruierte 1883 das fotografische Gewehr, mit dem er eine ganze Serie von Belichtungen auf einer Platte festhalten konnte, Der Chronofotograf mit fester Platte und rotierendem Schlitzverschluss konnte – abhängig von der Belichtungszeit – bis zu hundert Bilder pro Sekunde anfertigen. Ottomar Anschütz konstruierte 1888 eine Kamera mit Schlitzverschluss für extrem kurze Belichtungszeiten. Richard Leach Maddox
Richard Leach Maddox
 
SchlitzVerschluss Ani Panchromatische Platten wurden ab 1906 verfügbar; hier sind die Fotomaterialien für alle Farben des Lichtspektrums sensibilisiert, was die Voraussetzung für eine tonwertrichtige Wiedergabe in Grauwerten und die Farbfotografie ist. Durch die Trockenverfahren und die Verkleinerung der Amateurkameras am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die
Fotografie mobil; außerdem wurde eine industrielle Fertigung des fotografischen Aufnahmematerials möglich, da nun die Fotoplatten auch gelagert werden konnten.
Um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert waren die Voraussetzungen für die panchromatische Tonwertwiedergabe und die Farbfotografie geschaffen. Der Begriff der panchromatischen Sensibilisierung bezog sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ausschließlich auf schwarzweiße Halbtonvorlagen. Spezielle Aufnahmevorrichtungen ermöglichten Reihenaufnahmen und Bildfolgen (Chronofotografie), entweder mit einer Vielzahl von Kameras oder durch mehrere Belichtungen auf einer Platte. Dies schuf die ersten Voraussetzungen für die Kinematographie und spezielle wissenschaftliche Verwendungen der Fotografie.
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