Die Schärfentiefe

Einstellung der Blende

Jener Bereich vor und hinter der Einstellebene, in dem das Auge die abgebildeten Details noch als scharf empfindet, wird als Schärfentiefe bezeichnet. Die Ausdehnung der
Schärfentiefe hinter der Einstellebene ist größer (ca. 2 Drittel) als vor ihr (ca. 1 Drittel). Faktoren, die die Schärfentiefe beeinflussen, sind der Aufnahmeabstand, die verwendete Blende und die Brennweite des Objektivs.Die Schärfentiefe ist größer bei kleineren Blendenöffnungen (= großer Blendenwert), kürzerer Brennweite und größerer Einstellentfernung. Sie ist geringer bei größeren Blendenöffnungen (= kleiner Blendenwert), längerer Brennweite und kürzerer Einstellentfernung.

Abbildung:
Bei beiden Aufnahmen liegt die Einstellebene, also die im Sucher erkennbare Scharfeinstellung, auf der mittleren Person. Die unterschiedlichen Ergebnisse sind allein auf die unterschiedlichen Blendeneinstellungen zurückzuführen (die Belichtungszeit muss natürlich bei geänderter Blende angepasst werden).
stiefe-gross stiefe-klein
Bei einem Blendewert von 16 (kleine Blendenöffnung) sind alle drei Personen deutlich zu erkennen. Bei einem Blendenwert von 3.5 ist lediglich der mittlere Jungen scharf dargestellt.
grosse blende kleine blende
Die spiegelbildlichen Werte auf der Schärfentiefenskala des Objektivs umklammern auf dem Schärfeneinstellring den Bereich der Schärfentiefe (hier ca. 1,5 - 4m)
Die spiegelbildlichen Werte auf der Schärfentiefenskala des Objektivs umklammern auf dem Schärfeneinstellring den Bereich der Schärfentiefe (hier ca. 2 - 2,3 m)

Digitale Schärfentiefe

Der gezielte Einsatz der Schärfentiefe durch Einstellen der Blende, der Entfernung und der Brennweite ermöglicht es, den Blick des Betrachters auf das Hauptmotiv zu lenken. Dazu schränkt der Fotograf die Schärfentiefe so eng wie möglich um die Ebene ein, auf der sich das Hauptmotiv befindet. Der Vorder- und Hintergrund wird dadurch unscharf abgebildet. Diese selektive Unschärfe lenkt weniger vom Hauptmotiv ab, das durch die selektive Schärfe akzentuiert wird. Bei kleinen Aufnahmeformaten, z. B. beim Erstellen von Ausschnittsvergrößerungen oder beim Einsatz von Digitalkameras mit kleinen Bildsensoren (Formatfaktor) verkleinert sich der maximal zulässige Zerstreuungskreis (bei gleichbleibender Pixelzahl), was den Schärfentiefebereich zunächst verkleinert. schaerfentiefe 02
 
Links: Große Schärfentiefe mit Blende 8. Rechts: geringe Schärfentiefe mit Blende 2
Die kleineren Aufnahmeformate erfordern jedoch proportional kleinere Objektivbrennweiten, um gleichbleibende Blickwinkel zu gewährleisten -- das hingegen vergrößert den Schärfentiefebereich. Beides, die Verkleinerung der Bildsensoren (⇒ Verkleinerung der maximal zulässigen Zerstreuungskreise) und die deshalb notwendige Verkleinerung der Objektivbrennweiten, beeinflusst den Schärfentiefebereich.Die Einflüsse sind zwar gegensinnig, sie gleichen sich aber nicht aus. Der maximal zulässige Zerstreuungskreis geht linear und die Objektivbrennweite annähernd quadratisch in die Schärfentiefe ein -- also überwiegt der Einfluss der Objektivbrennweite.Dadurch wird die Schärfentiefe entsprechend größer und es wird zunehmend schwieriger, die selektive Schärfe als fotografisches Gestaltungsmittel einzusetzen. Damit sich beide Einflüsse ausgleichen, müsste die Pixeldichte der Sensoren annähernd quadratisch mit der Verkleinerung der Sensorabmessungen wachsen, was schnell an technische Grenzen führt.
Dieser Artikel wurde uns von Peter Eckardt (Braunschweig) www.peter-eckardt.de zur Verfügung gestellt


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