Voigtländer Ultramatic

Ein Kapitel vom Ende deutscher Kamerabaukunst.
Nimmt man eine Voigtländer Ultramatic in die Hand, staunt man zuerst über deren Gewicht. Schwer ist sie, 1,082 kg bringt sie auf die Waage, und sofort fällt einem die Verarbeitung, das Material und das Design auf. Verarbeitung ohne Fehl und Tadel, Material vom Besten, alle Metallteile schwer hochglänzend verchromt, das Design war hochmodern, man denkt unwillkürlich an die Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“, die damals über die Bildschirme flimmerte. Keine Bedienungselemente an der Oberseite, aber doch funktionell. Die Ultramatic hatte einen eingebauten und gekuppelten Selen- Belichtungsmesser, das Elektronik- Zeitalter stand uns noch bevor. So war die Ultramatic eine rein mechanische Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven und Synchro-  Compur Zentralverschluss. Dieser hatte zwar den Vorteil, dass man mit jeder Verschlusszeit einen Elektronenblitz einsetzen konnte, während die Schlitzverschlusskameras oft nur mit 1/25 s verwenden konnten, dieser Nachteil konnte aber im Lauf der nächsten Jahr minimiert werden.

Die deutschen Kamerabauer waren Meister der Mechanik, für die aufkommende Elektronik brachten sie kein Verständnis auf. Warum ist die Ultramatic der Höhepunkt der deutschen mechanischen Kameras? Dies ist leicht zu verstehen, wenn man sich vorstellt, was in der Kamera vo sich geht, wenn man auf den Auslöser drückt.

1) Die Springblende schließt sich auf den eingestellten Wert.
2) Der sonst stets offene Zentralverschluss schliesst sich.
3) Der Schwingspiegel klappt nach oben.
4) Die Abdeckklappe klappt nach oben und gibt das Filmfenster frei.
5) Der Zentralverschluss öffnet sich.
6) Der Zentralverschluss schliesst sich  wieder.
7) Die Abdeckklappe kippt wieder nach unten und deckt das Filmfenster ab.
8) Der Schwingspiegel kippt wieder nach unten in die Ausgangsstellung.
9) Der Zentralverschluss öffnet sich wieder.
10) Die Springblende öffnet sich wieder, das Sucherbild ist wieder sichtbar.

10 rein mechanische Vorgänge bei jeder Auslösung. Dies konnte keine andere Kamera auf der ganzen Welt. Zum Unterschied von elektronischen Bauteilen ist die Mechanik viel störungsanfällig. Federn verlieren mit der Zeit ihre Spannung, Öle verharzen, Staub stört ebenfalls. So war es kein Wunder, dass die Ultramatic als störungsanfällig galt, und wegen der komplizierten Mechanik waren Wartung und Instandsetzung recht teuer.
Teuer war übrigens auch die Anschaffung einer Ultramatic, allerdings, verglichen mit den anderen Spitzenkameras doch nicht.

Ein Vergleich:
Die teuerste Kamera ear damals die Contarex von Zeiss Ikon, ca. DM  3.000.—,
gefolgt von der Leicaflex, aber bereits an dritter Stelle war die Ultramatic, sie kostete mit dem Septon ca. DM  980.--.

Später gab es noch eine Ultramatic SC mit Blendenautomatik und CdS Belichtungsmsser, aber einen Springspiegel hatte sie  nicht mehr. Der war zu teuer und zu kompliziert und machte die Kameramechanik zu reparaturanfällig. So blieb die Ultramatic weltweit die einzige Zentralverschluss- SLR mit Springspiegel.



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