Voigtländer Brillant

1932 bis 1950, Ausführungen in Metall und Bakelit.
Eine Boxkamera macht Karriere.

Obwohl die Brillant aussieht, als wäre sie eine billige Kopie der ersten zweiäugigen Spiegelreflexkamera, der Rolleiflex, war sie doch nur aus einer Boxkamera entstanden. Man gab der Boxkamera ein einfaches, aber brauchbares Objektiv mit und einen ebenfalls einfachen Verschluss. Der Clou der Brillant war allerdings der riesige Brillantsucher, mit dem man endlich das Motiv klar erkennen konnte. Die Brillant wurde, auch wegen ihres geringen Preises, so beliebt, dass sie jahrzehntelang in den verschiedensten Ausführungen erhältlich war, in das Spitzenmodell baute man ihr sogar Voigtländers bestes Objektiv, das Heliar ein. Die ersten Brillant- Kameras waren aus Metall, 1935 stieg man auf den neuen Kunststoff Bakelit um. Dies nicht deshalb, weil man Kosten sparen wollte, sondern, weil man demonstrieren wollte, wie modern man war.

Der von dem Belgier Bakelund erfundene Kunstsoff Bakelit wurde 1907 patentiert. Er besteht aus Phenol und Formaldehyd, ist dunkelbraun bis schwarz, wir denken dabei an die alten, schwarzen Telefonapparate, den Volksempfänger usw.

Im Laufe der Zeit wurden von der Brillant sehr viele Versionen gebaut, eine Voigtländer- Idee ist auch die 3- Punkt- Schnappschusseinstellung Landschaft- Gruppe- Portrait. Voigtländer kam rasch dem Wunsch vieler Fotografen nach einem verbesserten Modell nach und stattete die Brillant nach und nach mit besseren Verschlüssen und Objektiven aus. Unter anderem wurde auch das Sucherobjektiv mit dem Aufnahmeobjektiv gekuppelt und fokussierbar. Auch ein Sportsucher kam dazu und ein besonders pfiffiges Detail, nämlich auf der linken Seite war ein Fach angebracht, in dem man entweder zwei Filter oder nur eines und eine Vorsatzlinse oder ein optischer Belichtungsmesser verwahrt werden konnte. Dieser Belichtungsmesser wurde vor das Sucherobjektiv geklemmt, so dass er im Sucher abgelesen werden konnte. In der Superausstattung konnte man bei der Brillant schon von einer, wenn auch einfachen zweiäugigen Spiegelreflex sprechen.

Übrigens baute Voigtländer auch eine „echte“ zweiäugige Spiegelreflex, sie hiess „Superb“. Auch sie bot, wie bei Voigtländer üblich, neue und richtungsweisende Neuerungen.



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